Gelesen | Seita Vuorela: Wir fallen nicht *

Mittwoch, 10. Dezember 2014


Ravensburger (2014) | Hardcover | 352 Seiten | 16,99€ | Einzelband | Leseprobe? Hier entlang!

Die Brüder Mitja und Wladimir verbringen ihre Sommerferien am Meer, doch der Urlaub wird von einem Unglück überschattet: Mitjas bester Freund ist bei einem Unfall ums Leben gekommen. Während Mitja ausgedehnte Streifzüge unternimmt und sich mit einigen Jungen anfreundet, die ihr Lager am Strand aufgeschlagen haben, zieht sich sein Bruder Wladimir immer mehr zurück. Aber ihr kleines Reich ist nicht nur ein Abenteuerspielplatz für Vagabunden - es ist eine Welt vollen Mystik und Magie, die Mitja immer stärker in ihren Bann zieht.

BUCHGEDANKEN

Von Anfang an habe ich mich in diese Geschichte verliebt, vor allem in den Schreibstil der Autorin, an dieser Stelle auch ein großes Kompliment an die Übersetzerin Tanja Küddelsmann. Seita Vuorelas Stil ist so zart, melancholisch und intelligent zugleich, dass es eine wahre Freude ist, dieses Buch zu lesen. Zu Beginn ist alles noch sehr verschwommen und die unbeschwerte Stimmung der Sommerferien überwiegt. Als würde man von der Sonne geblendet und kann den Horizont nicht ganz klar erkennen. Jedoch sorgen die kleinen Hinweise und Andeutungen für Spannung und die ersten dunklen Wolken am Sommerhimmel.

An welchem Ort Wir fallen nicht genau spielt, wird nicht näher beschrieben, aber so kann sich jeder den Schauplatz selbst aussuchen. Zuerst habe ich mir Land's End Camping irgendwo in einer versteckten Bucht an der deutschen und polnischen Ostseeküste vorgestellt - bis mir der Strand Yyteri in der Nähe von Pori an der finnischen Westküste in den Sinn kam. Und Finnland passt mit dem stetigen Spiel von Licht und Dunkelheit und der kulturellen Verbundenheit zu Mythologie wunderbar zu der Atmosphäre des Buches.

Die Geschichte ist geheimnisvoll, spannend und düster. Die verschiedenen Handlungsstränge verflechten sich über die gesamte Handlung hinweg zu einem wunderbaren Ganzen. Besonders die Sprache macht die Geschichte so lebendig. Ich wurde regelrecht in das Buch hineingezogen. Seita Vuorelas Schreibstil transportiert warme, behagliche Gefühle wie Mitjas Verbundenheit zu seiner Familie. Besonders die Passagen in der Vuorelas Stil poetischer wird, bringt die Ernsthaftigkeit der Geschichte mit einer doch unglaublichen Leichtigkeit an den Leser bzw. die Leserin.

Da lagen wir nun wie zwei Freunde, die der Verkehr niedergemäht hatte. Ich versuchte, dem Fuchs in die Augen zu sehen und dachte darüber nach, was es bedeutete, wenn Augen tot waren, und ob ihnen etwas fehlte. Und ja, es fehlte etwas.     S. 33

Der Roman überzeugt auch durch seine authentischen Charaktere. Die beiden Brüder Mitja und Wladimir könnten unterschiedlicher nicht sein. Wladimir ist ruhig, beinahe kühl, und eher ein Einzelgänger, der es sich lieber im Wohnwagen mit einem Film bequem macht. Mitja hingegen ist aufgeschlossen und abenteuerlustig. Er ist wild, neugierig und unerschrocken. Ihm haftet der Leichtsinn der Jugend an, während Wladimir der ernste große Bruder ist. Beide Charaktere haben mir gut gefallen und ich konnte mich in die Denkweisen der beiden Brüder gut einfühlen. Sie wurden gut ausgearbeitet, sind authentisch und etwas Besonderes.

Auch die Wracks, die Jungen, die als Strandräuber ein geradezu paradiesisches Leben am Meer führen waren ein wahres Highlight der Geschichte, wenn das Dorf, das sie sich am Strand aufgebaut hatten, genauso mysteriös ist wie das Hotel, in dem sich das Mädchen einquartiert hat. Die verschiedenen Erzählperspektiven halten die Geschichte lebhaft. Man erfährt nicht nur etwas von den Geschehnissen am Strand von Land's End Camping, sondern auch was in der Nacht des Unfalls geschah und was das Mädchen für eine Rolle in der Geschichte einnimmt und fesseln den Leser an die Buchseiten. Und immer ist der Tod allgegenwärtig, er ist der rote Faden, der sich durch das gesamte Buch zieht.

Das Mädchen näht Hemden für die Jungen, fast so wie die Königstochter im Märchen, deren Brüder von der bösen Königin in Schwäne verwandelt wurden. S. 248

Das Ende kam nicht unbedingt überraschend, da man ungefähr in der Mitte des Buches schon erahnen konnte, in welche Richtung es letztendlich geht. Als ich mit dem Lesen begonnen hatte, hätte ich nicht mit so einer gefühlvollen, mitreißenden und vor allem anspruchsvollen Geschichte gerechnet. Das Cover und die Beschreibung versprechen eine leichte, sommerhafte Abenteuergeschichte, auch wenn sie vom Tod des besten Freundes überschattet wird, denn die eigentliche Geschichte ist sehr viel düsterer und tragischer.

FAZIT

Ich könnte noch soviel mehr über diesen wunderbaren Roman sagen und es gibt auch so vieles, das sich nicht in Worte fassen lässt. Wir fallen nicht hat mich auf ganzer Länge überzeugt. Mir erging es mit Seita Vuorelas Roman wie mit der Skinned-Trilogie von Robin Wasserman: Fesselnd trotz der ruhigen Handlung! Wir fallen nicht besticht durch seine düstere Atmosphäre mit einem Hauch von Mystik und einem ernstem Hintergrund. Ein gelungener Jugendroman über Trauer und Tod. Sehr empfehlenswert!


* Vielen Dank an Lovelybooks für die tolle Leserunde
und den Ravensburger Buchverlag für das Rezensionsexemplar.

Kommentare :

  1. Hach ich muss sagen, so spannend klingt das Buch von der Beschreibung her eigentlich gar nicht, aber mit deiner Rezension hast du mir das Buch doch richtig schmackhaft gemacht. Vor allem auf den Schreibstil bin ich neugierig, weshalb ich das Buch auf jeden Fall im Auge behalten werde.

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    1. Liebe Friedelchen,
      es freut mich das ich dich auf dieses Buch neugierig machen konnte. Wenn du es gelesen hast, bin ich gespannt darauf zu hören wie es dir gefallen hat. :)

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