Wie nachhaltig und fair ist mein Kleiderschrank?

Freitag, 13. März 2015


Nach langer Zeit habe ich meinen freien Abend mal wieder dazu genutzt auf meinen liebsten Blog zu stöbern und zu lesen, und dabei weckte der Artikel Konsum als Erlebnis? Zur Kurzlebigkeit der Modewelt von HELDENWETTER besonders meine Aufmerksamkeit. 

Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein, Fairness... In den letzten Jahren sind diese Themen im Alltag der Menschen präsenter geworden, für viele ist es sogar zur Pflicht geworden, sich damit auseinanderzusetzen und mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, darauf zu achten, was man kauft und wo man es kauft. Jeder hat eine begrenzten Ressourcen und bei der bewussten Wahl der Produkte kommt der eigene Geldbeutel schnell an seine Grenzen. Da stellt man sich früher oder später die Frage: Das eigene Geld in eine teure Fair-Trade-Jacke investieren oder lieber die günstige vom Modeschweden kaufen, um nächste Woche im Bioladen einkaufen zu können? Und hat das Gute, was ich tue, überhaupt einen Effekt auf die Welt? - Zitat HELDENWETTER.

Die Themen Nachhaltigkeit und Fairness in der Herstellung beschäftigen mich schon lange, doch das wirkliche Umdenken im Kopf fand erst vor ein paar Wochen statt - seit der Lieblingsmann meine Leidenschaft zum Kochen geweckt hat und diese Leidenschaft meinen Blick schärft für die Qualität der Lebensmittel, die ich da in meinen Einkaufswagen lege. Und dann stellte ich mir folgende Frage: Wie sieht es eigentlich in meinen Kleiderschrank mit der Nachhaltigkeit und Fairness aus? Wo kaufe ich ein? Wo wurde mein Lieblingspullover hergestellt, unter welchen Bedingungen für die Menschen, die dort arbeiten?

Der genaue Blick: Ich kaufe meine Kleidung gerne bei ESPRIT, Tom Tailor und gelegentlich bei H&M, Schuhe am liebsten bei Tamaris und Converse - hergestellt in China und Indonesien. Aber was bedeutet das? Wie fair und nachhaltig sind diese Unternehmen? Wie behandeln sie ihre ArbeiterInnen? Ich bin der Sache mal näher auf den Grund gegangen und habe mich auch mal nach Alternativen umgesehen.

Bei Kleidung war mir bisher immer die Qualität am wichtigsten: Wie fühlt sich der Stoff an? Wie sehen die Nähte aus? Sitz das Teil richtig? Dann durfte der Pullover auch 30 Euro kosten, die Jeans auch mal 50 Euro - Hauptsache, es passt zu mir und bleibt mir lange erhalten. Mit diesem Konzept sind meine Mutter und ich immer einkaufen gegangen und tuen es weiterhin. Immer bei den Marken der höheren Mittelklasse. Ich erhoffte mir vom Preis nicht nur gute Qualität sondern auch ordentliche Arbeitsbedingungen für die Menschen, die die Kleidung tagtäglich zusammennähten. Inwiefern war und ist dieses Vertrauen berechtigt?



Kann ich mir fair gehandelte Kleidung leisten?

Mit einigen Klicks auf den Websiten der Modemarken, stehen mir alle Informationen zu Nachhaltigkeit und Fair Trade offen - nun jedenfalls das was das Unternehmen mir zeigen will und ein bisschen Sucherei gehört ebenfalls dazu, wenn man sich informieren will. ESPRIT hat seine Nachhaltigkeitsseite gut versteckt, Tom Tailor liefert mir dagegen gleich einen Auszug aus dem offiziellen Geschäftsbericht zum Thema Nachhaltigkeit. Transparenz? Check!

Aber kann man den Unternehmen da vollkommen Glauben schenken? Schließlich kann sich erstmal jeder "grün!" auf die Fahne schreiben. Wie sehen die Arbeitsbedingungen in China, dem Produktionsland von ESPRIT und Tom Tailor, denn aus? Sind die höheren Preise ein Indikator dafür, dass die Bedingungen in den Fabriken besser sind als anderswo? Oder geht der Großteil des Geldes für Marketingkampagnen, wie die Recycled Collection von ESPRIT, drauf? Bestätigen kann das wohl niemand, es sei denn man reist selbst an den Ort des Geschehens. Gern möchte ich den beiden Marken ihren grünen Anstrich abkaufen, denn ich finde mich dort in der Kleidung wieder. Ist Mode nicht auch ein Teil meiner Persönlichkeit? Doch welche Alternativen habe ich?

Die Alternative: In Berlin habe ich so einige Modelabel - wie z.B. bleed oder wertvoll - entdeckt, die faire, nachhaltige Kleidung produzieren und vertreiben. Begeistern konnten sie mich jedoch nicht. Die Kollektionen bieten in den meisten Fällen nur Basics oder Kleidungsstile, die nicht zu mir passen bzw. die meine Persönlichkeit nicht ausmachen. Auch bei den Preisen klappte mir die Kinnlade hinunter: Bei simplen Basic-T-Shirts starteten die Preise bei 30 Euro, für Jeans sogar bei 70 Euro. Und da schiebt mein Geldbeutel den Riegel vor. Die Konsequenz: Leider keine nachhaltige Kleidung für mich. Ich werde (vorerst) bei meinen bisherigen Modemarken bleiben und auch weiterhin darauf hoffen, dass sich das weltweite Interesse an nachhaltiger, ökologischer und fairer Kleidung weiter steigert und so die Unternehmen dazu zwingt, auf die grüne Schiene umzusatteln.


Für einen grünen Fußabdruck

Converse machte 2011 Schlagzeilen mit widrigen Arbeitsbedingungen in seinen indonesischen Fabriken. Arbeiter sagten aus, sie wurden mit Schuhen beworfen und geschlagen. Klebt Blut an meinen heißgeliebten Turnschuhen mit dem charakteristischen Stern? Nach kurzer Suche stieß ich auf ein Interview der Zeit mit der Topmanagerin von Nike, zu der die Marke Converse gehört, Hannah Jones zu eben dieser harschen Kritik an dem Konzern und las folgende Worte:

Man kann lange darüber diskutieren, was umweltfreundlich und nachhaltig ist. Es ist ein langer Weg, bis man als Unternehmen diesen Punkt erreicht. Bei Nike kann man aber zumindest Schuhe kaufen, bei deren Produktion über Umweltschutz und Nachhaltigkeit sehr viel nachgedacht worden ist.

Mit anderen Worten: Nike ist Umweltschutz und Nachhaltigkeit egal, solange der Umsatz stimmt. Im weiteren Verlauf des Interviews berichtet Mrs. Jones von den visionären Zukunftsplänen Nikes, davon die "gesamte Industrie zu reformieren" und wie vorbildhaft Nike voran schritt, Standortdaten der Zulieferer freiwillig preisgab, um die Kontrollen zu zentrieren und zu vereinfachen, wie intensiv Nike für ein  internationales Klimaabkommen werbe, aber "leider passiert da zurzeit wenig", wie das inovative Design-Tool den Designprozess transparent mache, da dort Materialien aufgeführt seien, die die Designer gefahrlos verwenden können, ohne der Umwelt groß zu schaden.

So ganz kann ich Nike nicht glauben. Die Managerin klingt zu engagiert. Was steckt also wirklich dahinter? Anscheinend nicht viel. Kaum zwei Jahre später landet Nike im Greenpeace-Ranking zu Schadstoffen als Greenwasher auf den unteren Plätzen. Die Konsequenz: Bye bye Chuck Taylor! Hello Ethletic! Ausgestattet mit Fair-Trade- und FSC-Siegel kommt der Ethletic Sneaker daher - das gleiche Design, der gleiche Preis - nur in grün aus Bio-Kautschuk und Bio-Baumwolle.


Fazit: Ist mein Kleiderschrank nachhaltig und fair? Nein, noch lange nicht! Um ihn vollkommen dazu zu machen, ist es noch ein weiter Weg. Da lohnt es sich aber immer wieder mal einen genauen Blick in die Produktionsländer zu werfen und sich über die dortigen Arbeitsbedingungen zu informieren, aber auch offene Augen zu haben für nachhaltige und faire Marken in der eigenen Umgebung. Der erste Schritt zum Umdenken ist Information und jetzt kann ich daran arbeiten, auch bei Kleidung regelmäßig auf Fair-Trade & Co. zu achten.

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Dieser Beitrag entstand in der Reihe "Blogger denken nach" zum Thema im März "Von Adidas bis Zalando - bei wem kaufe ich, bei wem nicht?". Wenn du dich für das Thema interessierst, schau unbedingt mal beim zugehörigen Blogpost vorbei. Hast du auch Lust bekommen, zu dem Thema zu schreiben? Dann verlinke deinen Artikel bitte dort!

1 Kommentar :

  1. Schön, dass du mitmachst! Und Respekt für deine riesige Recherchearbeit. Ich wusste gar nicht, dass Converse zu Nike gehört und wie egal einer so großen Firma das Thema anscheinend tatsächlich ist.

    Ich stelle meinen Konsum gerade dahingehend um, dass meine Kleidungsstücke entweder Second Hand bei mir landen oder ich tatsächlich viel mehr Geld für fair produzierte Teile ausgebe. Heißt, die Jeans darf dann gerne auch über 100 € kosten oder vorher von jemand anderem getragen worden sein - aber sie kommt eben erst mit zu mir, wenn ich wirklich eine Jeans brauche und sie perfekt für mich ist.

    Ich hoffe einfach mal, dass das auch mit ein bisschen Modebegeisterung vereinbar ist und sowohl mein Konto als auch die Umwelt schont.

    Viele Grüße
    Maren

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