Book vs. Movie | Veronica Roth: Die Bestimmung

Mittwoch, 11. März 2015


cbt (2012) | Hardcover | 480 Seiten | 17,99€ | Die Bestimmung (1) | Leseprobe? Hier entlang!

Fünf Fraktionen, fünf völlig verschiedene Lebensformen sind es, zwischen denen Beatrice, wie alle Sechzehnjährigen ihrer Welt, wählen muss. Ihre Entscheidung wird ihr gesamtes künftiges Leben bestimmen, denn die Fraktion, der sie sich anschließt, gilt fortan als ihre Familie. Doch der Eignungstest, der über Beatrices innere Bestimmung Auskunft geben soll, zeigt kein eindeutiges Ergebnis. Sie ist eine Unbestimmte, sie trägt mehrere widerstreitende Begabungen in sich. Damit gilt sie als Gefahr für die Gemeinschaft. Beatrice entscheidet sich, ihre bisherige Fraktion, die Altruan, zu verlassen, und schließt sich den wagemutigen Ferox an. Dort aber gerät sie ins Zentrum eines Konflikts, der nicht nur ihr Leben, sondern auch das all derer, die sie liebt, bedroht…


BUCHGEDANKEN

Nach vielen Empfehlungen und letztendlich auch der Verfilmung des ersten Teils der Trilogie, habe ich mich nun auch entschieden, zum Auftakt der Reihe zu greifen. Aber nach Beenden des Buches kann ich nicht genau sagen, was ich davon halten soll. Es war gut, ohne Zweifel, aber trotzdem hat mir irgendwas gefehlt. Da es sich um den ersten Teil der Trilogie handelt, kommen viele Erklärungen, bis Beatrice endlich dort landet, was sie selbst für ihre Bestimmung hält. Das anschließende Training nimmt auch nochmals eine beträchtliche Menge im Buch ein. Erst am Ende kommt Fahrt auf und es bildet sich ein roter Faden heraus.

Dann, mit einem leisen Aufschrei, den ich nicht unterdrücken kann, strecke ich die Hand aus - und mein Blut tropft zischend in die Kohlen. Ich bin nicht selbstlos. Ich bin mutig. S. 51

Die Story an sich ist hochinteressant, da sie sich von anderen Dystopien doch unterscheidet. Es gibt nicht ein System, dass seine Anhänger unterdrückt und ihnen vorschreibt, was sie zu tun oder zu lassen haben, sondern es gibt fünf Fraktionen, die mehr oder weniger friedlich nebeneinander leben und sich gegenseitig mit ihren Erfindungen oder ihrem sozialen Verhalten unterstützen und versuchen, dem idealen Leben am nächsten zu kommen. Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm und flüssig. Veronica Roth hat es auch mit wenig eingeworfenen Details geschafft, ein genaues Bild der Welt zu erschaffen.

Man stelle sich vor, wir Menschen hätten nicht unser Leben lang Zeit, unser Stärken und Schwächen auszuprobieren und daran zu arbeiten, sondern wir müssten uns im jugendlichen Alter schon auf eine bestimmte Lebensform festlegen. Auf einmal müssten wir wissen, ob wir eher selbstlos, freimütig, wissbegierig, freundlich oder unerschrocken durch die Welt gehen möchten, und eine passable Mischung würde uns zu Unbestimmten machen, die als gefährlich gelten.

Deine Absichten und Gedanken sind das Einzige, was sie überhaupt interessiert. Sie wollen dir einreden, dass es sie interessiert, was du tust, aber das stimmt nicht. Sie wollen nicht, dass du auf eine bestimmte Art und Weise handelst, sie wollen, dass du auf eine bestimmte Art und Weise denkst. Dann bist du berechenbar. Und dann bist du keine Gefahr für sie. S. 307

In Dystopien bin ich ein großer Freund der Ich-Perspektive, da man so die Chance erhält, vollkommen in die Gefühlswelt der Protagonisten einzutauchen. So war mir Beatrice zwar nicht immer sympathisch, aber ich konnte sie durchaus verstehen. Ihre Entwicklung war zum Teil sehr rasant. Sie hat innerhalb weniger Tage eine 180-Grad-Wendung gemacht. Ihr softes Auftreten zu Anfang wird tough und teilweise auch sehr frech. Diese Entwicklung hat mir persönlich nicht sehr gut gefallen, da sie in meinen Augen sehr negativ war. Die teilweise gewaltbereite Haltung hat so gar nicht zu ihr gepasst. Trotzdem ist die Charaktergestaltung von Tris bis hin zu den "unwichtigen" Nebenrollen sehr liebevoll und gut durchdacht. Auch die Liebesgeschichte war authentisch, nicht zu aufdringlich. Die Autorin hat es geschafft, den perfekten Bogen zu spannen zwischen zärtlicher, aufkeimender Romanze und spannender Action.

Die einzigen Minuspunkte stellte für mich die Handlung dar. In sich war sie logisch aufgebaut und schlüssig. Jedoch blieben die Überraschungsmomente aus. Besonders zum großen Finale am Ende hin wurde die Handlung für mich immer absurder. Den Handgriff, den die Autorin dort gewählt hat, hat mir überhaupt nicht gefallen und wirkte so, als wäre ihr keine logische Lösung eingefallen, um die Geschichte zum Ende zu bringen. Trotz des Endes ist Die Bestimmung eine sehr gute Dystopie, die eine starke Protagonistin und viel Neues zu bieten hat.



FILMGEDANKEN

Die Verfilmung von Veronica Roths Die Bestimmung hält sich sehr nah an seiner Romanvorlage. Jedoch muss ich sagen, dass mir vieles im Vergleich zum Buch in der Verfilmung besser gefallen hat. Zu Beginn möchte ich sagen, dass die Einleitung des Films sehr gelungen ist. Beatrices Stimme kommt aus dem Off und erklärt wie das System der Fraktionen funktioniert. Schon vorher fand ich die Wahl der Hauptdarsteller sehr gut, da es sich um relativ unbekannte Schauspieler handelt, die sehr interessante, einprägsame Gesichter haben.

Am Buch hat mir besser gefallen, dass man einen tieferen Einblick in die Gefühlswelt von Tris erhielt. So war die ganze Geschichte rund um Al bei Weitem nicht so bewegend, wie ich sie im Buch empfunden habe und auch Beatrices Feindschaft mit Peter wurde nicht ausreichend genug ausgearbeitet. Dafür mochte ich Christina und Will sehr gerne, wobei die Beziehung zwischen den beiden auch nur ein einziges Mal ganz kurz angedeutet wurde, was ich auch ein wenig schade fand, da ich Will immer sehr mochte. Jedoch muss ich sagen dass mir die Simulationen im Film besser gefallen haben, da sie viel besser ausgearbeitet waren, als man es sich nur anhand des Buches hätte vorstellen können. 

Da wo der Film Abstriche bei den Nebenfiguren wie Al, Peter und Christina macht, legt er den Fokus verstärkt auf die Anführerin der Ken und stilisiert sie zum Antagonisten. Kate Winslet hat mir in Ihrer Rolle sehr gut gefallen. Um Buch spielte sie eher eine untergeordnete Rolle, obwohl sie wie auch im Film die Drahtzieherin des Aufstandes gegen die Regierung der Altruan ist.

Die Stärke des Fraktionssystems ist, dass die Anpassung an eine Fraktion die Gefahr bannt, dass jemand seinen freien Willen ausübt. Unbestimmte bedrohen dieses System.

Ein Aspekt, der mir aufgefallen ist, dass der Film viel mehr mit Emotionen zu Beginn und Ende spielt, als es Veronica Roth in ihrem Buch tut. Dort sind vor allem die heimliche Liebesgeschichte von Tris und Four sowie die Geschichte mir Al sehr emotional und mitreißend. Diese Komponenten wurden im Film beinahe gestrichen, dafür Tris Gefühle bei der Auswahlzeremonie, aber auch am Ende, beim Kampf mehr hervorgehoben. 

Als Beatrice, die sich zu diesem Zeitpunkt nur noch Tris nennt, einen Freund aus ihrer Fraktion erschießt , fand ich ihre Panik im Film beispielsweise authentischer und nachvollziehbarer als im Buch. Im Buch macht sie es einfach und denkt dann im ersten Moment kaum darüber nach, aber im Film warnt sie ihn mehrmals und befindet sich danach kurz im Schockzustand. Auch die Szenen nach dem Ereignis waren sehr emotional und haben mich gefesselt und berührt. So war auch die Beziehung zwischen Tris und Four in meinen Augen auch sehr gut umgesetzt, nicht zu kitschig, aber auch nicht zu langweilig. Die beiden Schauspieler haben gut miteinander harmoniert und man nahm ihnen ihre Gefühle ab.

Was ich als sehr großen Pluspunkt des Filmes verbuchen kann sind die Emotionen, die jederzeit sehr überzeugend sind und immer gut rüberkommen. Die Schauspieler, allen voran Shailene Woodley und Theo James haben sehr gute Arbeit geleistet, ich hatte kein einziges Mal das Gefühl, sie würden "spielen".


FAZIT

Divergent ist auf ganzer Länger eine gelungene Buchverfilmung, die mich gut unterhalten konnte und viel Spaß machte. Die Verfilmung blieb nah bei ihrer Vorlage, bügelte für mich sogar einige Schwächen des Romans aus und konnte teilweise viele Emotionen, Stimmungen und Gefühle authentischer rüberbringen als das Buch selbst. Die Leistung der Schauspieler durchweg solide, besonders Shailene Woodley hat mir als Tris sehr gut gefallen. Nur an manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass auch den Nebencharakteren ein wenig mehr Platz eingeräumt worden wäre. Buch und Film bekommen auf jeden Fall eine Empfehlung, denn beide sind ein sehr gutes Lese- bzw. Filmabenteuer - nur konnte mich der Film ein wenig mehr mitreißen und berühren.

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