Lesetag bei Lovelybooks | Paula Hawkins: Girl on the Train *

Mittwoch, 8. Juli 2015


blanvalet (2015) | Paperback | 448 | 12,99€ | Einzelband | Leseprobe? Hier entlang!

Jeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt, und jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Rachel blickt in die Gärten der umliegenden Häuser, beobachtet ihre Bewohner. Oft sieht sie ein junges Paar: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen – wie es scheint – ein perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht. Eines Tages beobachtet sie etwas Schockierendes. Kurz darauf liest sie in der Zeitung vom Verschwinden einer Frau – daneben ein Foto von »Jess«. Rachel meldet ihre Beobachtung der Polizei und verstrickt sich damit unentrinnbar in die folgenden Ereignisse ...



BUCHGEDANKEN

Rachel ist eine Träumerin und sie liebt das Zugfahren. Da ist es nur verständlich, wenn sie sich das Leben derjenigen in den schönsten Farben ausmalt, die sie tagtäglich in den Gärten der Londoner Vorstadthäusern beobachtet. Jeden Morgen und jeden Abend, wenn der Zug an immer dem gleichen Signal auf der alten Strecke stehen bleibt. Und immer wieder fällt ihr das junge Paar auf, das dort vor einem Jahr eingezogen ist. Jess und Jason, wie Rachel sie in Gedanken nennt. So sehr sie aber in die beiden vernarrt ist, umso sehr beneidet sie das Paar um ihr (scheinbares) Glück.

Die beiden sind wirklich füreinander geschaffen, sie sind ein gutes Gespann. Sie sind glücklich, das sehe ich ihnen an. Sie sind das, was ich früher war. Sie sind Tom und ich vor fünf Jahren. Sie sind, was ich verloren habe, alles, was ich gern wäre. S. 23

Das Buch über begleiten wir nicht nur Rachel, sondern auch Megan alias Jess, die uns an ihrer Vorgeschichte teilhaben lässt bis zu dem Tag an dem sie plötzlich spurlos verschwindet und Anna, die neue Frau an der Seite von Rachels Exmann Tom. Leider war mir keiner der Frauen sonderlich sympathisch – bis auf Rachels Mitbewohnerin/Vermieterin Cathy, die als geduldige und verständnisvolle Freundin auftritt.

Rachel versinkt in Selbstmitleid, Trauer und Alkohol um das Leben, das sie nicht mehr haben kann. Natürlich kann ich sehr gut nachvollziehen, dass es eine Katastrophe ist, wenn der Mann, den man liebt und den man geheiratet hat, einen mit einer anderen Frau betrügt und diese Frau dann auch noch den Platz im eigenen Haus einnimmt und ein Kind bekommt, das man selber nicht bekommen konnte. Natürlich ist man dann für die nächsten Monate am Boden zerstört, sieht erstmal keinen Sinn mehr im Leben und möchte sich nur noch verkriechen. Jedoch verkriecht sich Rachel seit 2 Jahren in ihrem Selbstmitleid und kann Tom nicht loslassen. Das ist mir unsympathisch.


Megan ist Rachel in manchen Dingen nicht unähnlich. Sie kann sich ebenfalls nicht mehr aufraffen, nachdem ihre Kunstgalerie bankrott gegangen ist. Sie lässt sich gehen, sucht weder nach einem neuen Job noch nach einem Hobby und betrügt ihren Mann, der ihr hinterher spioniert, ihre E-Mails liest und den Browserverlauf durchstöbert. Und Anna ist der Albtraum einer jeden verheirateten Frau. Eine, die es genießt die Geliebte zu sein, das Heimliche und Verbotene zu erleben und dabei auch kein schlechtes Gewissen hat, das Leben einer anderen zu zerstören.

Trotzdem hab ich mit Spannung verfolgt, wie sich die Charaktere im Laufe der Handlung verändert haben – manche zum positiven andere zum negativen. Genauso spannend wie die Entwicklung der Charaktere war das Mysterium um Megans (Jess') Verschwinden. Ich habe im Laufe der Handlung wirklich fast jeden verdächtigt sie umgebracht zu haben. Doch am Ende war der eigentliche Täter jemand ganz anderes.

Ein von Cleo (@cleojohnsonbooks) gepostetes Foto am

Das Ende war mit das Beste am Buch - neben dem flüssigen, angenehmen Schreibstil und der ungewöhnlichen Erzählperspektive ("Morgens" und "Abends"), bei der man durch die Momentaufnahme von Handlungen, Gedanken und Rückblenden der Charaktere viel Raum zum eigenen Spekulieren hatte.

FAZIT

Paula Hawkins arbeitet in ihrem Roman gekonnt mit Schein und Trug. Jess ist nicht der Engel zu dem Rachel sie stilisiert, Jason ist auch nicht der perfekte Ehemann. Und auch manche anderen Charaktere verbergen ihr dunklen Seiten. Der Autorin ist ein grandioser Mix aus Roman und Thriller gelungen, ein spannendes und fesselndes und sogleich psychologisches Verwirrspiel. Klare Leseempfehlung für Girl on the Train!


* Vielen Dank an Lovelybooks für den tollen Lesetag am 14. Juni
und den Blanvalet Verlag für das Rezensionsexemplar.

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