Gelesen | Teri Terry: Zersplittert

Mittwoch, 4. Mai 2016

Coppenrath (2014) | Hardcover | 400 Seiten | 17,9€ | Gelöscht | Leseprobe? Hier entlang!
! Hierbei handelt es sich um die Rezension zum zweiten Band einer Reihe !

Kylas Gedächtnis wurde gelöscht, ihre Persönlichkeit ausradiert, ihre Erinnerungen sind für immer verloren. Denkt sie. Doch als Kyla im Wald von dem aufdringlichen Wayne Best angegriffen wird, setzt schlagartig ihr Erinnerungsvermögen wieder ein . Trotzdem stellen sich der 16-Jährigen weiterhin jede Menge rätselhafter Fragen: Wer ist das Mädchen mit den zertrümmerten Fingern, die in ihren Albträumen auftaucht? Und welche Rolle hat sie bei Free UK, einer terroristischen Gruppe im Untergrund, gespielt? Als ein mysteriöser Mann namens Hatten in Kylas Leben tritt, besteht für sie endlich die Möglichkeit, mehr über ihre Vergangenheit und das System der Lorder herauszufinden. Doch Hatten verfolgt als Anhänger von Free UK seine eigenen Ziele und Kyla wird immer mehr zum Spielball zwischen Lordern und Terroristen

BUCHGEDANKEN

Kylas Erinnerungen sind zurückgekehrt - teilweise. Bruchstückhaft kann sie sich an ihre Vergangenheit erinnern, an gebrochene Finger und das Gefühl gefangen zu sein, an eine Zeit, in der sie zur terroristischen Vereinigung Free UK angehörte. Nachdem Ben von den Lordern abgeführt wurde, ihr Levo scheinbar nicht mehr funktioniert und Nico, Kylas Ausbilder von Free UK, sie aufgespürt hat, weiß Kyla bald nicht mehr wem sie trauen kann und wem nicht. Eine Geschichte, die nicht nur Kyla, sondern auch den Leser ständig von einer Seite auf die andere reißen soll. So recht gelingt der Autorin dies allerdings nicht.

Ausgerechnet Kyla ist das schwächste Glied der Kette. In Gelöscht war sie mir sehr sympathisch gerade weil sie nicht wie alle anderen Slater glückselig durch die Gegend spaziert ist, sondern neugierig war, eigensinnig und die Dinge hinterfragt hat, anstatt sie einfach zu akzeptieren. Im Gegensatz dazu wirkt sie jetzt plötzlich wieder um einiges jünger und naiver, lässt sich von anderen manipulieren und hat ihre Selbstbestimmtheit, ihre Neugier scheinbar vollkommen abgelegt. Sie lässt sich sowohl von Free UK als auch von den Lordern für ihre Zwecke einspannen und benutzen, ohne auch nur einmal nach dem Warum zu fragen.

Hinzu kommt Kylas Persönlichkeitsspaltung, die nicht nur für sie sondern auch für den Leser sehr verwirrend ist und Kyla geradezu lähmt und handlungsunfähig macht. Eine interessante und spannende Idee, ja, aber sie wirkt auch ein wenig undurchdacht. Aus dem einfachen Grund, dass bei einer Persönlichkeitsspaltung, die Persönlichkeit, die gerade nicht das Ruder in der Hand hält, sich auch später, wenn sie wieder am Ruder ist, sich nur lückenhaft oder überhaupt nicht an das Geschehene erinnern kann. Die Filme Shutter Island und Das geheime Fenster zeigen eindrucksvoll, wie es gehen kann. Bei Kyla hatte man eher das Gefühl, sie wolle nicht wahrhaben, dass sie auch kaltblütig und brutal sein kann, und schiebt daher Rain und eine Persönlichkeitsspaltung als Alibi vor. Umso unglaubwürdiger wird es dann, wenn sie sich voller Inbrunst für die Sache der Terroristen einsetzt, zumal sie selbst auch an der Richtigkeit ihrer Entscheidungen zweifelt.

Nico als einer der Drahtzieher hinter der Handlung setzt Kylas Naivität und Unentschlossenheit in diesem Band noch die Krone auf. Nico ist charismatisch, kalt und rücksichtslos. Nicht nur Kyla, sondern auch alle anderen aus der Free-UK-Gruppe, die sich in der Gegend niedergelassen haben, gehorchen Nico bedingungslos. Was er sagt wird getan, ohne zu hinterfragen. Kyla zieht mit. Was sie sich davon erhofft, wird nicht wirklich klar, ist doch die brutale Linie, die Nico fährt, nicht wirklich mit ihrer Persönlichkeit vereinbar. In der zweiten Hälfte der Geschichte ändert sich dies zunehmend, Kyla beginnt wieder selbständiger und entschlossener zu handeln, nicht vollkommen auf Nicos Anweisungen zu hören. Die Handlung nimmt an Fahrt auf, als sich die Pläne der Terroristen konkretisieren und immer mehr Charaktere auf der Bildfläche auftauchen, die sich eigentlich besser niemals treffen sollten. Dramatische Szenen verdichten sich, bisher offene Fragen werden zum Teil aufgeklärt - leider bleibt das System, das in England herrscht, weiterhin undurchsichtig. Das spannende und dynamische Finale war dafür wirklich gelungen. 

FAZIT

Zersplittert hat mich zunächst mit einer sehr naiven und unentschlossenen Protagonistin und verworrener Handlung, die teilweise die Logik des Vorgängers zerstört, enttäuscht. Viele Handlungen waren schwer nachvollziehbar, sodass mich das Schicksal der Figuren ziemlich kalt gelassen hat. Erst in der zweiten Hälfte nahm die Geschichte wieder an Fahr und Spannung auf und konnte durch dramatisch dichte und spannende Szenen fesseln und überzeugen.

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